Société Genevoise d’Études Allemandes

Abgesagt: Lionel Felchlin (Fribourg), Dominik Müller (Genf) et Marlyse Pietri (Genf) stellen die erste vollständige Übersetzung von Gottfried Kellers Novellenzyklus vor: „Les gens de Seldwyla“

Aufgrund der verschärften Pandemie-Massnahmen (Ausnahmezustand im Kanton Genf im November) muss der ursprünglich für den 10.11. angesetzte Keller-Abend hier abgesagt werden. Die Details einer möglichen Neuansetzung werden werden rechtzeitig mitgeteilt bzw. hier auf der Homepage bekannt gegeben.

Seldwyla, die kleine, fiktive Schweizerstadt, ist im deutschsprachigen Raum bekannter als viele reale Orte, ja sie ist sprichwörtlich geworden. Sie ist die Erfindung Gottfried Kellers und diente als Schauplatz für zehn Erzählungen, die ihm die Bezeichnung „Shakespeare der Novelle“ eintrugen. Unter dem Titel, die Leute von Seldwyla erscheinen die ersten fünf im Jahre 1855, der Rest 1873/74. Schlaumeierei, Pfusch und Lebenskunst liegen in Seldwyla so nahe beisammen, dass unentschieden ist, ob sich daraus eine böse Karikatur oder ein freundlich-ironisches Bild schweizerischer Lebensart ergibt. Angesichts des literarischen Rangs der Erzählungen und ihres ur-helvetischen Schauplatzes, ist es erstaunlich, dass mehr als 150 Jahre verstrichen, bis nun 2020 im Genfer Zoé-Verlag endlich eine integrale Übersetzung des Zyklus in französischer Sprache erscheinen kann. Sie verdankt sich der Hartnäckigkeit von Marlyse Pietri, der Gründerin von Zoé, und von Lionel Felchlin, der Kellers Texte in ein heutiges Französisch brachte. Zusammen mit Dominik Müller, der das Nachwort beisteuerte, stellen sie das Werk vor und diskutieren, was die moderne Schweiz noch mit Seldwyla zu tun hat und welchen Herausforderungen die Übersetzung darstellte. Diese wird an einigen Kostproben vorgestellt.

Die Fondation Martin Bodmer in Cologny ist deswegen ein besonders würdiger Ort für die Buchvernissage, weil hier die erste Reinschrift einer der Novellen, Der Schmied seines Glücks, aufbewahrt wird. Das wertvolle Manuskript wird vor und nach der Veranstaltung in einer Vitrine zu bewundern sein.

 

In Zusammenarbeit mit der Fondation Martin Bodmer, Route Martin-Bodmer 19, Cologny.